Montag, 24. November 2014

Die natürliche Rolle?

Mutter sei die natürliche Rolle und alles andere sei gegen die Natur. Nun atmen Männer in aller Welt auf. Endlich wird den Weibern ihre wahrhafte Rolle gezeigt. Das wurde ja mal Zeit, dass sie auf den Boden der Tatsachen unsanft zurückgeholt werden.

Na, nicht so schnell mit dem Aufatmen. Der Ausspruch stammt von Erdogan und die Natur als solche ist natürlich eine islamische.

Also, man merke auf: Natur = Islam oder Islam = Natur!

Alles was vor Jahrhunderten von einer in Stämmen lebenden Gesellschaft festgelegt wurde, ist Natur, ist Islam. Nein, auch nicht ganz richtig. Mohammed selbst hat festgelegt, dass eine Frau nur Mutter sein darf. Alles andere ist wider der Natur des Weibes. Ob das Mohammed so gesagt hat, weiß ich nicht, aber ich glaube mal Erdogan, zumindest in dieser Sache. Ansonsten hätte er sich die Rolle von Allah/Mohammed angeeignet. Was mich eigentlich auch nicht wundern würde. Männer haben in der Geschichte sich schon immer als Gott gegeben besser gefühlt.

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man sich schier auf die Oberschenkel klopfen und laut lachen. 

Aber die christliche Kirche hat das genau so gesagt. Bei ihnen ist Natur = katholisch/evangelisch, orthodox oder andersherum gedreht.

Wie sich die Bilder doch gleichen.

Heutzutage ist diese Ansicht bei Männern hier auch noch nicht überwunden. Viele geben es zu, manche nicht, denken es aber.

Frau als nur Mutter. Wieso? War der Mann nicht an der Zeugung beteiligt? Heißt es nicht besser, dass die Erziehung von Kindern Familiensache ist? Ist es nicht für Mädchen und Jungen besser, wenn sie auch einen Vater haben, der sich liebevoll um sie kümmert?

Im Islam scheinen sich die Männer zu fein für eine liebevolle Kümmerrolle zu sein. In unserer westlichen Kultur waren und sind sich auch manche Männer zu fein, diese Rolle zu übernehmen. 

Warum aber sollten die Männer nicht auch liebevolle Väter sein?

Im Mittelalter war die Rolle der hochgestellten Dame, Kinder zu gebären und die der hochgestellten Männer Kriege zu führen und ihren Einfluß auf die Ländereien anderer zu erweiterten .

Wir leben aber nicht mehr im Mittelalter. Zwischenzeitlich hat es im Westen die Aufklärung gegeben und eine technische Revolution, die die Frauen als Arbeiterinnen brauchten.

Was das Mittelalter beim Rückblick auch bewiesen hat, dass Politik oftmals von den Frauen gemacht wurde. Meist standen sie hinter ihren Männern und machten von dort Politik und manches Mal standen sie allein da und mehrten den Reichtum ihres Lehens. Sie machten das sehr gut.

Es gab auch genügend Frauen, die Ärztinnen waren. Die Schule von Salerno war in dieser Beziehung berühmt.

Und war das gegen die Natur? Ich habe kürzlich Folgendes gehört: Eva hat als erste den Apfel der Erkenntnis gekostet. Stimmt! Dummerweise hat sie den Apfel der Erkenntnis auch Adam zukommen lassen. Das war ihr größter Fehler. Damit hat sie den Grundstein zu ihrer Knechtung gelegt. 

In der Frühzeit der Menschen waren Mann und Frau gleichberechtigt. Sie hatten zwar unterschiedliche Aufgaben, aber sie waren nicht schlechter als Männer gelitten und beide waren zuständig, dass ihr Stamm nicht hungern musste. Es gab die Göttinnen der Erde, der Fruchtbarkeit, die äußerst wichtig waren, die das Gedeihen und Prosperieren ihres Stammes in der Vorstellung  der damaligen Völker förderten 

Mit dem Monotheismus wurden die weiblichen Göttinnen verdrängt. Wir Schwestern haben da nicht aufgepasst und unser Minderwertigkeitsurteil unterschrieben. Dass es auch schon damals Ausnahmen von der Regel gab, steht nicht zur Debatte. Schließlich gibt es immer Frauen, die nicht einsehen wollten, warum sie dieses oder jenes nicht machen dürfen, nur weil sie eben Frauen sind. Ist auch widersinnig. 

Ich habe bei meinen Reisen immer wieder gedacht, wie arm doch eine Gesellschaft ist, die ihre Frauen in den Häusern einsperrt. In Marokko sah ich Männer in den Abendstunden gelangweilt vor den Kaffeehäusern sitzen und auf die Straße starren. Gähn. In anderen islamischen Ländern auch.

Als ich dieses Jahr im Herbst in der Türkei war, ist mir aufgefallen, wie sich die Türkei verändert hat, sogar in Istanbul. Vor ein paar Jahren habe ich gerade in Istanbul kaum Frauen mit Kopftüchern und sehr, sehr selten mit Ganzkörperschleier gesehen. Die Zeiten sind vorbei! Mir fielen die Frauen mit Ganzkörperschleier auf, die man jetzt sehr oft sehen kann. In Istanbul! Vor ein paar Jahren konnte man als Touristin in die Blaue Moschee noch ohne Kopftuch gehen. Jetzt ist das Kopftuch Pflicht und man darf auch nicht mehr durch den Haupteingang gehen, sondern wird durch einen tunnelähnlichen Gang irgendwo an der Seite hineingeschleußt. Nackige Arme dürfen nicht mehr sein. Dann muss man ein mantelähnliches Ding anziehen. Ich finde sehr ecklig, weil den dann ohne Reinigung viele Touristinnen und Touristen (ja auch Männer) sich überhängen. Aber ich bereite mich bei einem Besuch einer Moschee immer mit meiner Kleidung und einen Kopftuch darauf vor. Mehr als Kopftuch akzeptiere ich nicht! Warum auch - nur weil ich eine Frau bin?

Was sagt Erdogan dazu? Er meint, dass Mütter etwas ganz Besonderes seien. Okay, das sind sie schon. Nur, wenn man etwas ganz Besonderes ist, gehört es sich nicht, das Besondere ins Haus einzusperren, es unterwürfig zu halten oder (wie ich selbst bei mir im Wohnviertel erlebt habe) den Mann um Erlaubnis fragen zu müssen, wenn ein Kohlrabi eingekauft werden muss. So geht man nicht mit etwas ganz Besonderem um, sondern mit Sklaven. Das ist der Hintergrund der islamischen Frau (wenn sie nicht zur Oberschicht gehört). Falls sie sich als Besonderes empfinden würde, würde sie ihren Mann dran erinnern, dass sie keine Sklavin sei. Eine Religion, die Frauen das zumutet, ist keine gute Religion.

Wohin gehst du Türkei? 

Sie wird immer mehr ein islamischer Staat. Und wieder steht dort auf der Tagesordnung, die Hagia Sophia von einem Museum in eine Moschee zurückzuverwandeln. Irgendwann über kurz oder lang, werden die Dogmatiker gesiegt haben. Auch der Verkauf von türkischen Fahnen mit dem Atatürk Porträt ist zurückgegangen.

Wir schreiben das 21. Jahrhundert. In der christlichen Kirche gärt es. Menschen sehen nicht mehr ein, dass sie auf irgendetwas festgelegt werden sollen, nur weil sie z.B. katholisch sind. Menschen sehen nicht ein, dass sie ein anderes Arbeitsrecht tolerieren sollen, nur weil sie in katholischen Einrichtungen beschäftigt sind, die auch durch Steuermitteln aller am Leben gehalten werden. 

Auf der anderen Seite wird immer noch im Namen von Religion Krieg geführt. Sicherlich haben die Kriegsparteien die Religion so hingebogen, dass der Bodensatz der Menschheit andere terrorisiert. Nur sollten sie nicht das Wort "Gott" in den Mund nehmen, wenn sie als Todeschwadron herumziehen und alles töten, was nicht wortwörtlich wie sie denkt. Ich erinnere an Kenia, wo fast 30 Menschen getötet worden sind, weil sie nicht den Koran lesen konnten. Ich denke, dass die Meldung nicht ganz in Ordnung ist, weil der Koran eigentlich auswendig gelernt wird. Arabisch können auch viele Muslime nicht lesen. So werden sie das Glaubensbekenntnis des Islam mündlich vorgetragen haben müssen. Aber das ist nicht der Punkt. Man hat gemordet. 

Diese Mörderbanden sollten auch nicht das Wort "Gott" im Munde führen, wenn sie ihre eigene Kultur zerstören. Es wird, wenn vielleicht irgendwann mal der Krieg in Syrien beendet ist, kaum noch Kulturgüter geben. Auch unsere westliche Geschichte als Linie in die antike und vorantike Kultur wird damit zerstört. Nur, wenn man nicht mehr weiß, woher man kommt, hat man auch keine Zukunft. Und wir haben nicht das Recht dazu, Krokodilstränen darüber zu weinen. Ohne den Westen hätten Mörderbanden in den Islamischen Ländern nicht so stark werden können.

Eigentlich sollten Religionen den Menschen zivilisieren und Frieden lehren. Diesen Anspruch hat die Religion nicht erfüllt. Sie wurde instrumentalisiert und ad absurdum geführt.

Der Westen entwickelt sich mittlerweile zurück in die Arbeitswelt des 19. Jahrhunderts und parallel dazu die islamische Welt in den Konservatismus.  

Heute im 21. Jahrhundert leben manche freiwillig, andere gezwungnermaßen nach den Regeln alter Stammesgesellschaften. Wie lange noch?









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