Freitag, 7. November 2014

Renitente Lokomotivführer

Was war das nicht für ein angesehener Beruf - früher. Mit weißen Handschuhen dirigierte er den Zug. Auf seinem Grabstein konnte stehen: Hier ruht Oberlokomotivführer a.D. Das gab es wirklich. Kleine Jungs bekamen damals glänzende Augen, wenn es um Loks ging und viele von ihnen wollten Lokomotivführer werden oder wurden es auch. Sie waren wer. Sie waren kein Blaumann, sondern etwas Besseres, wie sie dachten. Sie verkauften zwar auch ihre Arbeitskraft, aber man schenkte ihnen Beachtung und anerkannte ihre Berufsehre.

Berufsehre? Was ist das? So höre ich heute viele Menschen fragen. Und unsere Beherrscher haben in ihrem ganzen erbärmlichen Leben noch nie etwas davon gehört. Sie haben keine Ehre - sie haben immer nur Geld, viel Geld, mit dem sie uns knebeln, mit dem sie die vorherrschende Meinung bestimmen, die wir haben sollen. Sie zeigen nicht ihren Wert, sondern nur ihren Wohlstand, den sie für Gott gegeben halten.

Und damit ging es mit jedem Beruf abwärts. Jeder Beruf wurde nur danach taxiert, wie weit er heruntergewirtschaftet werden kann und trotzdem Gewinn für einige Wenige auf deren Konten spülen könnte. 

Zurück zu unseren Lokführern. 

Sie halten das Leben vieler Hunderter Menschen in ihren Händen. Gibt man ihnen nicht genug Ruhe, so kann es fatale Auswirkungen auf unser aller Leben haben. Gibt man ihnen nicht Arbeitszeiten, wo man Beruf und Familie unter einem Hut bringen kann, hat auch dies fatale Auswirkungen auf die Gesellschaft. Familienfeste, Freunde ... alles steht mehr oder weniger unter Vorbehalt. Keine Zeit! Schließlich muss der Lokführer die Lok führen. Schließlich beginnt sein Dienst irgendwann zu irgendwelchen eigentümlichen Zeiten und seine Dienstzeit beginnt nicht immer dort, wo sein Heimatlokschuppen ist, sondern irgendwo zwischendurch auf einem Bahnhof mitten auf der Strecke, die er zu fahren hat. Familie? Nebensache! Zeit? Wieso? Schließlich gehört der Lokführer zur Maschine, schließlich ist er Humankapital. Und das verkraften nicht so sehr viele Menschen, vor allem diejenigen, die schon seit vor der Wiedervereinigung Deutschlands diesen Beruf ausübten. Psychische Krankheiten und Alkoholismus ist dort auf den Vormarsch. Leider.

Und nicht nur die Arbeitszeiten wurden verdichtet, bzw. computeroptimiert, wie man so verschleiernd sagt, sondern Löhne wurden gesenkt, auch durch Mehrarbeit ohne Ausgleich. Der Lokführer wurde zur Maschine, angekettet an eine Maschine und ausgebeutet durch eine Konzernführerschaft, die Geldjunkies sind und nach mehr schreien. 

Der Heroinsüchtige erkauft sich durch Kleinkriminalität seine tägliche Rauschgiftdosis. Die Vorstände der Bahn machen es ähnlich. Sie senken die Löhne, erhöhen die Fahrpreise, wirtschaften die Gleise herunter, damit so viel wie möglich von ihrem Rauschgift - das Geld - auf ihren Konten sich anhäufen kann. Messies verhalten sich ähnlich.

Weiterhin zog die Leiharbeit auch bei Lokführern ein. Leiharbeiter sind noch billiger. Deren Kosten fallen nicht unter die Lohnkosten, sondern sind Kosten wie jede andere Art von Kosten, z.B. ein Fahrzeugkauf. 

Wenn man sich dann vorstellt, dass wir auch mit diesen Lokführern fahren, dann könnte man sich schon große Gedanken über die Sicherheit unseres Schienenverkehrs machen, egal ob staatlich auf AG getrimmte Bahn oder Privatbahn. Lokführer müssen ihre Strecken mehrmals unter Aufsicht abfahren, damit sie Streckenkenntnis erhalten. Diese Streckenkenntnis muss immer wieder aufgefrischt werden - eigentlich.

Und nun erlauben sich die Lokführer zu streiken. Was denkt sich so ein Lokführer, wenn er einfach nur sein grundgesetzliches Recht in Anspruch nimmt und durch Streik eine Verbesserung seiner Lebensverhältnisse erstreiten will. Das wird uns tagtäglich untergejubelt. Und mit Häme wird darauf verwiesen, dass der Gewerkschaftsführer Morddrohungen erhält. Selbst dran schuld. Wie wir alle, wenn wir es nicht vom Tellerwäscher zum Millionär geschafft haben. Dabei sind die eigentlichen Drahzieher, die hysterisierten, sabbernden Medien, die ein Klima des Hasses auf und der Verachtung von Menschen erst schaffen, angestiftet von ihren Geldgebern. Wie weit soll die Verrohung unserer Bevölkerung denn noch gehen? Ich will darüber nicht spekulieren, aber jeder sollte sich darüber Gedanken machen.

Nun meine irgendwelche Reisenden, dass das eine Frechheit wäre. In den Mund wurden ihnen solche Worte von den sogenannten Qualitätsmedien gelegt. Eine wahrhaft tägliche Hetz- und Schmutzkampagne wird über diese GDL-Gewerkschaft ausgekippt.  Sicherlich habe ich Verständnis für Menschen, die auf den Zug angewiesen sind und der dann nicht kommt, weil gestreikt wird. Nur wieso schreien sie nicht die Vorstände der Bahn AG an?

Erinnern wir uns an einen großen Streik der GDL. Die Jahreszahl habe ich vergessen, ist auch nicht wichtig. Schon damals war Hetze gegen die Lokführergewerkschaft angesagt. 

Der Tenor damals: Was bilden sich die Lokführer ein, für sich bessere Arbeitsbedingungen zu erstreiken. Sie wollen diese Verbesserungen nur für sich und nicht für das Zugbegleitpersonal. Das ist eine Unverschämtheit. Das Zugbegleitpersonal gucke in die Röhre, weil die Lokführer so egoistisch wären.

Upps. Also damals war es schlecht, Zugbegleitpersonal nicht mit einzubeziehen. 

Upps. Heute ist es schlecht, wenn das Zugbegleitpersonal in der Gesamtheit von der GDL vertreten werden soll.

Was denn nun?

Wieso gießen die Leute keine Schmutzkübel über die Vorstände der Bahn aus? Wieso sagt ein ehemaliger Gewerkschaftsführer, dass die GDL die Forderung nie bei der Bahn durchbekommen wird?

Was für eine Einstellung hat dieser Ehemalige? Weil die Bahn das nicht will, soll die Forderung der Gewerkschaft gleich gestrichen werden? Weitergedacht heißt das: Wenn die Bahn überhaupt nichts mehr für besser Arbeitsbedingungen und mehr Geld für ihr Personal will, dann streiken wir einfach nicht mehr. Es hilft ja sowieso nicht. Okay andere Gewerkschaften handeln schon Jahre nach dieser Methode. Man nennt das Sozialpartnerschaft. Partnerschaft an einer Stelle, wo es nie Partnerschaft geben kann. 

Was passiert eigentlich wirklich? Die Bahn AG stellt sich quer und geht überhaupt nicht auf die Forderung der Lokführer ein. Die GDL ist gezwungen zu streiken, da sie nicht wie die Doofen da stehen wollen. Was verständlich ist. Der Bahn sind die Reisenden, die nicht vom Fleck kommen pipegal. Die Bahn, als sie privatisiert wurde, hat sich immer mehr von den Reisenden weg entwickelt, ganz vorsichtig ausgedrückt.

Dazu kommt noch eine andere Handlungsebene. Schon seit letztem Jahr oder sogar noch früher, liegt eine Gesetzesänderung in den Schubladen der Regierenden (unserer Regierung möchte ich nicht sagen, weil das nicht stimmt). Bis jetzt konnte dieses Gesetz nicht verabschiedet werden, weil wir uns schließlich mehr oder weniger immer vor Wahlen befanden, die die CDU gewinnen wollte. Das Gesetz soll Streiks eindämmen, mit den Segen des DGB. Kleine Gewerkschaften sollen schachmatt gesetzt werden. Wo fängt die kleine Gewerkschaft an und mit welcher Größe endet sie? Ist das nicht der Einstand, alle Gewerkschaften zurückzudrängen, damit jeglicher Streik in Deutschland zur Folklore verkommt?

Nun haben die Wähler in Deutschland es den Herren da oben ganz leicht gemacht. Sie haben so gestimmt, dass die SPD wieder in die Regierung gespült werden konnte. Und nun kann eine SPD-Ministerin Antistreikgesetze in den Bundestag einbringen und dafür verantwortlich sein, dass sie angenommen werden. Für Gesetze gegen die Mehrheit der Bevölkerung des Landes ist immer die SPD zuständig.

In trauter Zweisamkeit von Bahn und Regierung - speziell Frau Nahles von der SPD - haben sie einen Streik sich so aufblähen lassen, damit mit medialer Unterstützung dieses Gesetz durchgepeitscht werden kann.

Unsere Bevölkerung, die sowieso mehrheitlich dagegen ist, dass es anderen Bevölkerungsteilen vielleicht ein bisschen besser gehen könnte als ihnen selbst, lässt sich munter mit vor den Karren spannen und kräht mit. 

Hat sich schon mal jemanden von denen einen Kopf gemacht, dass damit das wirkliche Ende der Gewerkschaften - egal ob groß oder klein - eingeläutet werden soll?

Dann viel Vergnügen mit der Diktatur! Aber scheinbar wollen viele Menschen nur in Diktaturen leben oder volkstümlicher gesagt: im Hotel Mutti, bemuttert von einer Freiheitskämpferin, die unserer Regierung vorsteht und dem Kapital untersteht.







Kommentare:

  1. Ich möchte diese Verantwortung als "Lokführer" nicht tragen müssen, als ein funktionierendes Soll-Rädchens unter Bedingungen, die einen Menschen einfach überfordern.
    Ich denke dabei an die täglichen Pendler und Schüler, die sicher zu ihrer Arbeit oder Schule gelangen wollen, ohne mit der Angst leben zu müssen, dass ein Lokführer oder die Technik versagt.
    Und wenn es zu einem Chrash kommt, ermittelt danach die Staatsnwaltschaft gegen einen überforderten Lokführer, der den Rest seines Lebens mit Schuldvorwürfen leben muß, die er selbst wohl nicht zu verantworten hat.

    Ein Streik für mehr Sicherheit von Frau Schmidt, Herrn Meier und Kinder...?
    Da ist Schmidt- Meier überfordert.

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  2. In unserem Freundeskreis ist einer Lokführer gewesen (jetzt in Rente). Besonders schlimm war es für ihn, als die Dienstpläne computergestützt sogenannt optimiert wurden. Besonders schlimm ist es für Lokführer, wenn Selbstmörder auf den Gleisen sind. Es gibt dann Selbsthilfegruppen und psychologische Begleitung. Ich denke aber nicht, dass so etwas gänzlich vergessen werden kann. Es gibt auch Selbsthilfegruppen für Alkoholkranke Lokführer.

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