Sonntag, 23. Februar 2014

Sie zappeln in den Startlöchern

Der IWF steht bereit, um selbstlos der Ukraine unter die Arme zu greifen. Man hat nun den ungeliebten Staatspräsidenten in die Wüste gejagt. Anscheinend Russland den Stinkefinger gezeigt. Nun kommt das Ende der Sklaverei, wie eine etwas ältere Frau in den Straßen von Kiew meinte. Wahrscheinlich wusste sie nicht, wovon sie sprach.

Das Ende der Sklaverei? Von wem? Na immer von Russland und seinen Russlandknechten. Anders kann es gar nicht sein, so will es wenigstens die Fama.

Wird es der älteren Frau in den Straßen von Kiew freuen, wenn eine Julia Timoschenko wieder an der Macht ist und sich alles einverleibt? Wahrscheinlich ja.

Man tauscht in der Ukraine eine Oligarchengruppe gegen eine andere aus und die unterlegenen Oligarchen werden nicht auf Dauer unterlegen sein, sondern sich mit der neuen Situation arrangieren. Hauptsache der Profit fließt. Alles andere ist unwichtig.

Demokratie? Ach, das ist etwas für die ältere Dame in den Straßen von Kiew und für die kleine Gruppe, die mit guten Vorsätzen auch auf den Maidan zu finden war.

Denen, die mit dem Gewehr in der Hand gehandelt haben, ging es um etwas völlig anderes. Sie wollen eine nationalstarke Ukraine ohne Russen, ohne irgendwelche Ausländer, nur mit Ukrainern, ethnisch gleichförmig, in sich geschlossen. Sie heben ihren Arm in Hitlermanier, sie lassen rot-schwarze Fahnen wehen. 

Klitschko ist auch ein Ausländer in den Augen dieser Bürger. Er lebt in Deutschland, kann kaum ukrainisch, wie zu hören war. Ich glaube, die Geschichte wird über ihn hinweggehen. 

Der IWF stünde bereit, wie Frau Lagarde sagt. Und die Bürger in der Ukraine werden sich wundern, womit der IWF bereit steht. 

Nicht mit einem Mercedes, nicht mit europäischer Demokratie, die auch hier gerade abgeschafft wird, nicht mit Konsum für alle, den es in der EU schon lange nicht mehr gibt. 

Leider haben die Ukrainer nicht aufgepasst, was der IWF und die EU mit denen macht, deren Wirtschaft nicht gerade auf den neuesten Stand ist und deren Länder kurz vor der Pleite stehen oder Pleite sind. 

Der IWF steht nicht für Demokratie, die EU ebenso wenig. 

Der angepeilte Mercedes wird für die Masse wohl immer ein Wunschtraum bleiben. Sie werden ihre Nasen vor prall gefüllten Schaufenstern platt drücken. Der Lebensstandard der Mehrheit der Menschen in der Ukraine wird weiter hinabgedrückt werden. Die Gaspreise werden für die Mehrheit ins Unermessliche steigen und durch die anstehenden massiven Privatisierungen werden Arbeitsplätze noch und nöcher wegfallen.  Die Renten werden noch niedriger werden und die Löhne ebenso.

Woran ist denn eine EU nur interessiert? An billigen Werkbänken. Das ist alles. Das kommt den Oligarchen gerade recht.

Nur viele wollten es so. Sie werden dann mit den Ergebnissen leben müssen. Viele werden - wie anderswo - ihrer Heimat den Rücken kehren müssen. Und keiner nenne das Flexibilität. Wer will schon freiwillig seine Heimat verlassen. Das gilt nur für einige wenige.

Die baltischen Staaten könnten ihnen eine Lehre sein sowie Südeuropa. Aber man dünkt sich vielleicht besser oder anders oder wie auch immer. Man arbeite hart und würde deshalb zu Wohlstand kommen, hört man allenthalben. 

Als ob harte Arbeit jemals zu Wohlstand geführt hätte. Dass sollten sie mal den Litauern erzählen, den Letten, den Griechen, den Spaniern und so weiter und so fort.

Die Ukraine wird spannend bleiben. Wird sie gespalten werden? Was wird aus den nationalistischen Kräften? Sie wurden aus der Flasche gelassen und werden sicherlich nicht wieder hineingepresst werden können. Werden wir ein zweites Ungarn in Europa erleben?

Eines steht fest. Die meisten Menschen auf den Maidan und anderswo in der Ukraine werden zu den Verlierern gehören. Sie werden zwar brav irgendwo ein Kreuzchen auf einem Wahlzettel machen dürfen und es Demokratie nennen. Das Leben selbst, wird arm an ihnen vorüberziehen. Sie werden das wahre Gesicht der ach so tollen EU über kurz oder lang selbst erleben dürfen.

Der IWF steht in den Startlöchern.

Na dann, zieht euch warm an, Ukrainer. Wer nicht hört, sich nicht informieren will, muss eben fühlen. Leider wird es auch diejenigen treffen, die mit dem Maidan, mit Timoschenko und Klitschko und den Bandera-Nachfolgern nichts am Hut haben. Die tun mir heute schon leid. 


PS: Die Isländer scheinen  ne Ecke schlauer zu sein.

Auch auf neopresse veröffentlicht.