Montag, 14. Juli 2014

MMM - Mutti machts möglich

Leider hat mich Gott nicht erhört und die deutschen Kicker sind Weltmeister geworden. Gott hat sicherlich geschmollt, weil ich sonst nichts mit ihm am Hut habe.

Da haben eine Handvoll Millionäre in Brasilien ihren Marktwert gesteigert. In den letzten Sekunden musste noch Per Mertesacker eingewechselt werden, weil sich das - lt. Sportreporter - gut in der Biographie macht, also zur Steigerung seines Marktwertes beiträgt.

Und der kleine Mann (Frau) jubelt. Es konnte gefeiert werden. Die Watch-Party bzw. die öffentliche Leichenschau ist ein Event. Da findet man auch schon mal einen Thomas Müller soooo süüüß und trägt sein schwarz-rot-goldenes Modehighlight spazieren, damit es jeder sehen kann, wie man sich mit Deutschland verbrüdert. Man ist ja national und patriotisch. Wenn man nichts hat, dann wenigstens einen Rausch in schwarz-rot-gold, obwohl die Kicker das Gold schamhaft versteckten und es im Trikot nur mit großer Mühe zu entdecken war, beim Trainingsanzug gar nicht. Wertsteigerung und patriotisch sein, ist schwarz-weiß-rot. Schließlich wollen wir am liebsten unseren Kaiser wiederhaben oder wenigstens einen König.

Einer Merkel und einem Gauck wurden nach dem Abpfiff die Hände geschüttelt. Ich habe zwar das Spiel nur in Werbepausen gesehen und die Verlängerung und vielleicht habe ich da übersehen, dass Merkel und Gauck mitgespielt haben. Ihr Einsatz war vielleicht auch nur ein paar Sekunden lang. Wozu sonst sollten deren Hände geschüttelt werden, wenn sie nicht selbst mitgespielt haben.

Die ökonomischen Hellseher fanden wieder heraus, dass durch die hervorragende Kauflaune der Deutschen der Binnenmarktgewinn in höchste Höhen schnellen würde. Auch für den brasilianischen Binnenmarkt wurde das gehellseht. Gut, vielleicht hat der deutsche Kaufrausch nach patriotischen Devotionalien ein paar Absatzprozentpunkte gebracht. Nur, was ich heute mit wenig Geld kaufe, muss ich morgen einsparen, um Lebensmittel kaufen zu können. Das gleiche gilt noch mehr für Brasilien. Der mediale ökonomische Hellseher hat mit keinen Wort erwähnt, dass bei den Spielen Milliarden an Steuergeldern verplempert worden sind. Die Brasilianer werden es zukünftig merken.

So, nun heißt es die nächsten 4 Jahre zu überstehen. Wir werden die ganze Zeit sicherlich mit dem brasilianischen Sommermärchen genervt. Journalisten sind nicht gerade Worterfinderisch. Die Märchen werden beliebig oft mit einem anderen Wort gekoppelt.  Dann wird Gott bemerken, dass er doch meiner Bitte hätte stattgeben sollen. Oder er verzieht sich aus dem deutschnationalen Raum, weil er dem Wort "Sommermärchen" entfliehen will. 

Zur Strafe für meine frevlerische nichtpatriotische Ansicht, empfahl mir mein Firefox täglich, meine Nationalflagge herunterzuladen, um mit dem Browser am weltweiten Gemeinschaftsgeist teilhaben zu können. Ich habe mich geweigert und muss nun mit den wortreichen Folgen leben.


Entwohnen auf israelische Art

3 jüdische Jugendliche wurden ermordet. Darauf hin kidnappten Israelis einen palästinensischen Jungen schlugen ihn und fackelte ihn bei lebendigen Leib ab. 

Die 3 jüdischen Jugendlichen sind nun der Vorwand den Gazastreifen zu zertöppern. 

Häuser werden kaputt gebombt, ein Krankehaus hat es auch schon erwischt und andere offizielle Gebäude. Dem Polizeichef ist die Familie ermordet worden. Und - wenn die Fernsehbilder die Wahrheit sagen - wurden Soldaten in den Gazastreifen gekarrt - Elitesoldaten sollen es sein. 

Menschen leiden, Kinder weinen und sind verstört. 

Die paar Hamasraketen sind kläglich, nicht zu vergleichen mit den der hochgerüsteten israelischen Armee. Ich verstehe, warum die Raketen aus dem Gazastreifen gen Israel gestartet wurden, aber die Methode ist nicht zu billigen. 

Unsere Medien haben sich auf die israelische Seite geschlagen. Sie verbreiten wahre Meldungen, die von Militärsprechern kommen. Israel führt nach deren Lesart einen sauberen Krieg. Zivilisten werden gewarnt, dass Bombardements geplant werden, die ihre Häuser treffen. Sie sollten gefälligst fliehen. Im Umkehrschluss könnte man dann sagen, dass alle Zivilisten selbst dran Schuld seien, wenn sie durch israelische Bomben getötet werden. Sie hätten ja gehen können. Und wohin?

Es gibt keinen sauberen Krieg und keine altruistischen Soldaten. Einen heroischen Krieg gibt es nur im Fantasyfilmen und -büchern. Krieg ist schmutzig und trifft immer Zivilisten. Bei der Bevölkerungsdichte im Gazastreifen werden somit viele Menschen getötet. Sie sind Menschen! Keine Untiere!

Als ich in Israel war, wurde uns als Reiseleiter ein Israeli zugeordnet, jetzt Rentner, der ein hoher Militär war. Ob er wirklich Rentner war, weiß ich nicht. Ich vermutete immer, dass er dem Mossad angehörte. Wenn er über Palästinenser sprach - was höchst selten vorkam - quoll aus jedem Knopfloch die Verachtung gegenüber diesen Menschen hervor. Er zog die Besichtigung von Jerusalem entgegen des Reiseprogrammes, was an diesem Tag etwas völlig anderes auffführte, so lange hin, dass wir erst ganz spät nach Bethlehem kamen, die christlichen Palästinenser mit dem Essen schon seit Stunden warteten und wir kaum Zeit hatten, Bethlehem zu besichtigen. Sein Credo war, dass die Araber nur die Sprache der Gewalt verstünden. Er verachtete auch die Weltgemeinschaft, die es wagt, Jerusalem nicht als jüdische Hauptstadt anzuerkennen. Er verachtete die Europäer, die über ein israelisches Massaker an Palästinenser berichteten und nach seiner Meinung zu viele Tode angegeben hatten. Ab welcher Todeszahl ist aber ein Kriegsverbrechen ein Kriegsverbrechen?

Das Bombardement im Gazastreifen soll also nur die Hamas treffen. Und wenn ein öffentliches Gebäude bombardiert wird, sitzt eben dort die Hamas. Wenn ein Wohnhaus in Schutt und Asche gelegt wird, gab es dort drinnen die Hamas. So einfach kann das Leben sein.

Ich denke, dass dieses Bombardement der Versuch ist, den Gazastreifen wieder in den israelischen Staat einzugliedern. Nach israelischer Weltsicht könnte es so sein, dass die arabische Bevölkerung die Gegend verlassen hat und das Gebiet leer ist. Also könnten dort fundamentalistische, jüdische Siedlern dieses Territorium mit den richtigen Leuten wieder besiedeln. Ob das eine Verschwörungstheorie ist?

Mich wundert immer wieder, dass die Menschen in Israel, die Pogrome am eigenen Leib erfahren mussten, wo sehr viele Familien Opfer im faschistischen Vernichtungskrieg gegen Juden zu beklagen haben, die Methoden der Faschisten übernommen haben. Sie sind heutzutage nicht sehr viel besser als ihr faschistischen Pendant, damals im 2. Weltkrieg. 

Als Außenstehende fällt einen auf, dass beide Völker, Araber und Juden, gemeinsame Traditionen haben, eine Sprache, die nicht so sehr von einander abweicht und dass sie vor Christi und nach Christi Geburt ein gemeinsames Gebiet bewohnten. Die meisten Speisen, die es in Israel gibt, gibt es auch in den angrenzenden arabischen Ländern. Man bestreitet das zwar und auch beim simplen Essen, hätten die Araber die hochstehenden jüdischen Traditionen aufgegriffen.  Man verleugnet das gemeinsame Erbe - von beiden Seiten - und man fühlt sich eher als weißer Herrenmensch, den den arabischen Menschen erst Kultur beibringen muss. Das ist auf die Dauer gesehen sicherlich ein Grund, warum Israel, so wie es heut ist, nicht überleben kann.

Nur Dumme finden keine gemeinsame Sprache. Nur Verbrecher wollen immer und ewig im Kriegszustand mit seinen Nachbarn leben. Die Rüstungsindustrie macht Freudensprünge. Rache ist kein Ding, was Frieden schafft. Es bringt nur immer wieder und immer wieder Terrorismus hervor - Staatsterrorismus in Israel.

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PS: Gerade las ich bei Uri Avnery: ... »Als ob dies noch nicht genug wäre (das Verbrennen eines palästinensischen Jungens ist gemeint), fingen  Grenzpolizisten während einer Protestdemonstration seinen Cousin, legte ihm Handschellen um, warf ihn auf den Boden und begann ihn auf den Kopf und ins Gesicht zu treten. Seine Wunden sehen schrecklich aus. Der entstellte Junge wurde verhaftet, die Polizisten nicht ... «