Mittwoch, 28. Oktober 2015

Die Ostdeutschen sind vornehmlich Nazis

So etwas lese ich in Kommentarspalten immer häufiger. Ja, ja, die undankbaren Ostdeutschen. Es heißt weiter, dass sie ja selbst alle von der westdeutschen Gemeinde aufgenommen worden sind. Einfach so. 

Einfach so?

Wir haben Land und Vermögen eingebracht. Unser Vermögen mitsamt unseren Sozialkassen verschwanden in den Säckeln der großen Unternehmen und in den Säckeln von Spekulanten.

Nun machen - vor allem in Ostdeutschland - viele Menschen darauf aufmerksam, dass die Parole "Wir schaffen das" im Zuge der Völkerwanderung Probleme bodenständiger Art auslöst.

Die Regierung, die Medien und einige andere Naivlinge, die ich auch in ihrer humanitären Einstellung irgendwie verstehen kann, schmeißen Kritiker von Merkels Werbebotschaft in den Topf der da heißt "Nazi".

Das bringt nun den Westdeutschen den erhofften Beschimpfungsauftrieb, die schon immer Ostdeutsche beschimpften. 

Was habe ich - und auch andere - nicht alles gehört. Wir wären faul, hätten nie richtig gearbeitet, unsere Ausbildung wäre dünn wie Papier, nichts würde taugen, was wir angefasst hätten. Ostdeutsches Leitungspersonal war persé doof und unfähig und musste durch drittklassiges westdeutsches Personal ersetzt werden. Gute DDR-Wissenschaftler gab es gar nicht, es sei denn, sie machten auf Widerstandskämpfer, dann konnte man sie noch einigermaßen akzeptieren. Die Ostdeutschen haben die Sozialsysteme geplündert. Die Westdeutschen allein würden den Solibeitrag zahlen. Sie zahlten und ostdeutsche Städte würden wie Paläste aussehen, während Weststädte untergingen. Das hat nur gezeigt, dass sie außer den Innenstädten (die schon in der DDR aufgehübscht worden waren) nichts von den ostdeutschen Städten gesehen hatten. Selbst auf der Arbeitssuche im Westen musste man mit dummen Sprüchen rechnen, dass man z.B. überlege, ob man Ostdeutsche seinen Kunden zumuten könne und auch Ablehnung, dass man nicht mit Ostdeutschen reden wolle und Ähnliches. Vielfach wurden Ostdeutsche in Unternehmen als Angestellte zweiter Klasse behandelt. Ich habe oft genug mit ihnen darüber geredet. Sie verleugneten oft ihre Herkunft, sprachen Hochdeutsch - für Westdeutsche übersetzt: Schriftdeutsch. Und vieles mehr. Die Ostdeutschen hatten die Russlanddeutschen ersetzt. 

Sage mir niemand, dass die Ostdeutschen den Rassismus erfunden hätten. Was hat man über die Russlanddeutschen in Westdeutschland geschimpft. Sie würden keine gespendeten Dinge nehmen, nur nagelneues noch frisch Verpacktes. Sie nehmen Arbeitsplätze und Wohnungen weg. Sie wären nur deutsch, weil ihr Schäferhund ein deutscher Schäferhund wäre. Sie würden nur prügeln.

Vergessen wir nicht, dass in Mölln das erste Haus mit türkischen Bewohnern brannte. Es gab Tode dort. 

Westdeutsche denken im Prinzip nicht anders als Ostdeutsche. Sie sind nur hinterfotziger und sagen es nicht so offen. Das tut man nicht. Als ich in Rheinland-Pfalz lebte, habe ich viele Spielarten von Rasssismus, Fremdenfeindlichkeit und wirkliche Nazis kennengelernt. Ich wurde aus einem kleine Familienunternehmen entlassen, weil ich mich gewehrt hatte, dass slawische Menschen als Untermenschen bezeichnet worden sind. Der Besitzer des Unternehmens war ein hochangesehener Honoratior der Stadt. Ich habe in diesem Unternehmen auch junge Menschen kennengelernt, die den neuen Nazigruß offen auslebten. Ich habe mit so einem jungen Menschen gesprochen und er versteckte sich hinter irgendwelchen Ausreden. Man lebt seine rechte Gesinnung eben mehr hinter dem Rücken aus. 

Vergessen wir auch nicht, dass es bei der Gründung von Pegida nur relativ wenige Asylsuchende in Deutschland gab, deren Zahl schwankte und oft rückläufig war. Das Dublin-Gesetz griff in der Regel und die Masse an Zuzüglern war beherrschbar. Pegida gründete sich auf rassistischer Basis und rechtem Gedankengut. 

Vergessen wir aber auch nicht, dass zwischenzeitlich sich alles geändert hat. Wir sprechen jetzt von Völkerwanderung, von Balkanrouten, von Mittelmeerpassagen usw. usf. Hundertausende haben sich auf den Weg gemacht, um nach Deutschland zu kommen und nur nach Deutschland. Das ist schon ein quantitativer Umschlag. Auch christliche Syrer, die in Polen Zuflucht gefunden hatten, sind nach Deutschland weitergewandert. 

Die europäischen Gesetze wurden außer Kraft gesetzt. Man unterstellte immer den Dublin-Gesetzen Inhumanität. Es kann aber nur ein Staatengebilde überleben, was auch sein gesamtes Hoheitsgebiet schützt. Man mag Grenzen mögen oder auch nicht. Grenzen sind in der gesamten Menschheitsgeschichte aber auch immer identitätsstiftend gewesen. Man fühlte sich einer Gruppe zugehörig. In der Tierwelt ist es ebenso. Tiere markieren ihr Territorium und kein anderer darf dort hinein, ohne um seine Leben fürchten zu müssen. Menschen schützen ihre Identität auch, wie auch immer sie sie definieren. 

Mit diesem "Ihr Kinderlein kommet" wurde etwas losgetreten, was sich längst aller Kontrolle entzieht, weil man es nicht kontrollieren will. 

Wer völlig praktische Einwände gegen diese chaotische Praxis, die hier eingerissen ist, vorbringt - ist Nazi. Komischerweise. Kein Hinweis auf Ressourcenknappheit hilft, man ist eben Nazi. Bei ein paar Hundert oder so um die Tausend wäre das "Wir schaffen das" überhaupt kein Problem. Denn das haben wir jedes Jahr geschafft. Bei Hundertausenden auf einen Schlag, sieht das völlig anders aus. Jeder kommt an die Grenze des Machbaren. Wenn man das sagt - ist man Nazi. Komischerweise.

Viele besorgte Menschen werden inzwischen als Mob und Pack bezeichnet. Nazi sind sie ja sowieso schon. Und was machen die? Jetzt erst recht. Und warum vor allem im Osten von Deutschland?

Wir Ostdeutsche haben 1989 nicht vergessen. Wir waren die einzigen Deutschen, die für ein ganz kurzes Zeitfenster wahre Freiheit erleben durften. Wir sind die Deutschen, die schon erleben durften, wie es ist, wenn Regierungen gegen die Mehrheit der Menschen regieren.  Wir haben ein Gespür dafür entwickelt.

Letztens sind 10.000 Menschen bei Pegida mitgelaufen. Also sind 10.000 Menschen auf der Stelle Nazis, Rassisten, Kleinbürger, Spießbürger, welche, die die Baumärkte bevölkern und alles solch ein Müll, der durchs Netz und durch die Zeitungen wandert. Man bedroht diese Menschen, nur weil sie dort mitlaufen, obwohl Pediga jetzt schon eine andere Zielrichtung hat. Sicherlich laufen Rassisten und neue Nazis auch mit. Das ist in einer Gesellschaft eben so. 1989 sind auch auch Rassisten und Nazis mitgelaufen, die heute alle als Revolutionäre bezeichnet werden. Es war ja genügen rechte Westprominenz am Rande der Demos, die ihre Propagandblätter und Goodies verteilten. Vergessen wir auch das nicht.

Für die Regierung, die Medien, diejenigen, die denken, ehrenamtlich ist alles zu richten, ist es zwischenzeitlich egal, wer wo mitläuft. Ob nun AfD, ob nun "Wir sind Deutschland" oder wie sie alle heißen - alle Nazis. Die Mehrheit von ihnen sind besorgte Bürger und/oder nationalkonservative Menschen - keine Nazis. 

Ein einfaches Beispiel. Jede Oma mit wenig Geld kann ihren Enkel nur begrenzt etwas zukommen lassen. Sie muss selbst leben, auch wenn sie sich Geschenke von Mund abknappst, aber ihre Ressourcen sind endlich. Auch wenn sie wollte, sie kann nicht. Genauso muss man sich die heutige Situation vorstellen. Auch wenn man wollte, das Geld und die Ressourcen sind endlich, da man wirkliches Geldin die Hand nehmen, ausgeben muss und keine irgendwie gearteten virtuellen Beträge hin- und herschieben kann.  Wer wird wohl alles Geld aufbringen müssen, was gebraucht wird? Die Thyssen-Dynastie, der Porsche-Clan, die Puddingfamilie? Wohl nicht.

Hier werden die Menschen immer ärmer. Die größten Armutsgebiete lasssen sich vor allem im Osten Deutschlands finden. Sicherlich gibt es strichweise sehr wenige Menschen mit Migrationshintergrund im Osten. Aber in vielen westdeutschen Gemeinden wohnen davon auch nicht so sehr viele. Verschiedene Großstädte wissen, wie es ist, wenn sich Parallelgesellschaften herausgebildet haben, ob nun in Ost oder West. Die Ankömmlinge werden in Zeltstädte gepfercht, die im Osten UND im Westen stehen. 

Es ist aber einfacher, gegen Ostdeutschen zu hetzen. Ihnen vorzuhalten, dass sie in die Bundesrepublik eingetreten worden sind, obwohl gerade die westdeutsche Gesellschaft davon profitiert hatte. 

Aber halt. So einfach ist auch das nicht. Nicht DIE westdeutsche Gesellschaft hat davon profitiert, nur einige wenige. Viele dagegen von sicheren Arbeitsplätzen in den westdeutschen Unternehmen. Auch Ostdeutsche haben Arbeitsplätze in Westdeutschland weggenommen, weil sie für weniger arbeiteten als die Westdeutschen. Sie konnten auch anders behandelt werden, niedriger gedrückt werden als Westdeutsche. Sie ließen sich mehr gefallen, als Westdeutsche. Sie waren wirklich dankbar: Hauptsache Arbeit!

Heute nun zeigt sich wieder wunderbar das alte Sprichwort: Teile und herrsche, welches zu neuer Blüte gekommen ist. Wir als Ostdeutsche sollen dankbar sein, was man für Wohltaten für uns geleistet hat. Das habe ich seit 1990 bis zum Abwinken mir immer anhören müssen. Ostdeutschland das dunkle Deutschland und Westdeutschland das helle. Wer teilt nun immer noch in Ost und West ein?

Wäre es nicht besser, wenn ohne Scheuklappen und gegenseitige Vorurteile endlich mal über die Fakten der Völkerwanderung diskutiert werden würde?

Wäre es nicht besser, die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen? Sie nicht in Pegida-Hände zu treiben?

Dann putzt man auch noch das idiotische Thema Renten auf. Die Hundertausende würden dann unsere Rentensystem stützen. Idiotischer geht es wohl nicht mehr. Mit welchem Job? Rentenbeiträge sind NUR und allein NUR an Arbeitsplätze gekoppelt. Woher sollen die kommen? Schwarzarbeit gilt nicht.

Das Thema ist kein einfaches Thema, weil es keine kurzfristigen Lösungen geben kann, obwohl man auch kurzfristig handeln müsste und kein Land jenseits von Deutschland verunglimpfen sollte, was Gesetze einhält, wie man es z.B. mit Ungarn z.Z. macht. Und ja, ich hasse das sagen zu müssen, weil ich die ungarische Regierung undemokratisch finde. Nicht, weil sie an ihrer Grenze europäische Gesetze einhält, sondern wegen ihres Wirkens im Innern von Ungarn. 

Nur, was haben wir mit dem "Ihr Kinderlein kommet" erreicht? Polen ist nach rechts gerückt. Bravo! Das ist wohl ein Bravourstück dieser anarchischen Behandlung der Flüchtlingsproblematik vor allem von Deutschland.

Wohin werden wir treiben, so führungslos wir gerade sind? Ach ja, ich höre schon wieder Böswillige oder Gedankenlose sagen "führungslos", die will wohl einen Führer? Nein. Aber Regierungen sollten führen und nicht nur aussitzen, d.h., sie sollten ihre Pflicht erfüllen und endlich beginnen zu arbeiten und nicht nur diskutieren und das heißt, nicht im luftleeren Raum zu arbeiten, sondern das "Wir schaffen das" mit Fakten zu untersetzen und die Sorgen der Bevölkerung aufzunehmen. So dumm ist das Volk nun doch eben nicht. Und Nazis sind sie auch nicht unbedingt, auch wenn sie kein Mainstream plaudern.


Kommentare:

  1. http://linksfraktion.de/im-wortlaut/geld-genug-da-falsch-verteilt/

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  2. http://www.linksfraktion.de/im-wortlaut/europaeische-werte-gefahr/

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  3. @Anonym: Dass das Geld falsch verteilt ist, stimmt schon. Die Feststellung nützt aber niemanden etwas. Es ist naiv, zu meinen, dass das Steuersystem gerechter werden würde, dass sich die Superreichen nicht mehr aus der Finanzierung des Staates heraushalten könnten usw. usf. Der Staat ist das Machinstrument der herrschenden Klasse. Und solange es so ist, wird sich an der Einnahmesituation des Staates nichts ändern. Nur - und das ist HEUTE der Fall - zur Zeit fehlt es an Geld. Ob es irgendwann mal in Zukunft da sein könnte, ist jetzt irrelevant. Das Geld fehlt und wird weiterhin fehlen für Sozialwohnungen und Infrastruktur. Diese Situation immer wieder zu bedauern hilft niemanden. Wir leben in einen Staat des Neoliberalen. Das wird sich von heute auf morgen nicht ändern können. Es gibt nicht mal Ansätze der Änderung, auch nicht dort, wo Linke Verantwortung tragen. Paradebeispiel ist dabei der damalige Verkauf von Sozialwohnungen durch die Stadt Dresden mit der Stimme der Linken. Da das Geld an allen Ecken und Enden fehlt (auch Steuerverschwendungsprojekte, wenn es die nicht mehr gäbe, wären ein Tropfen auf den heißen Stein)muss dieses Geld für immer mehr Leute und die immer kaputtere Infrastruktur reichen. Die Mehrzahl der Angekommenen werden die Sozialsysteme nutzen müssen. Es wird keine Perspektiven für diese Menschen geben, höchstens mal ein oder zwei Paradebeispiele. Da meinungsführende Menschen oft ebenso sind wie Tierschützer - erst die Katze - dann der Mensch - heißt es eben oft: Erst der Flüchtling mit seinen Kind aus dem Flüchtlingslager, welches uns mit seinen braunen Kulleraugen anschaut so treu wie ein kleiner Hund - , dann der H4ler. Das wird uns irgendwann das Genick brechen - so oder so.

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