Dienstag, 9. Juni 2015

Die Weltenretter in Aktion

Die G7 ist vorbei. Das Geld hätte man besser für Investitionen innerhalb Deutschlands verwenden sollen, als es in den Wind zu pusten, um es einmal zivilisiert zu sagen. Mir fiele auch eine andere Metapher ein.

Laut Medien wurde darüber "beraten", wie man der Erde beibringen könne, damit sie die Temperaturen im Durchschnitt nur bis zu 2 Grad erhöhe und nicht darüber hinaus. Vielleicht hört die Erde ja zu - oder Gott oder Allah oder Buddha (der verkannte eigentliche Nichtgott) oder welche Götter auch immer sich im Himmel austoben sollen, wenn man denn es fertig brächte, einen Himmel überhaupt zu installieren.

Man will auch die Armut bekämpfen. Wieder einmal ... Zum wievielten Male denn nun eigentlich? Außer der Sprechblase "Armutsbekämpfung" ist nichts geschehen, immer nur das Gegenteil.

Bei der Armutsbekämpfung sollte Frau Merkel doch einmal in ihrem eigenem Land beginnen. Hat sie nicht - sogar vor Gott - geschworen, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden? Gehört nicht auch dazu, dass ein Mensch hier in Deutschland menschenwürdig existieren kann? Anscheinend sieht Frau Merkel und ihr Gott das nicht so. Also, schenken wir uns am besten die Götter. Die werden sowieso immer nur angerufen, wenn der Politiker auf Erden nicht gewillt ist, zum Wohle der Bürger zu handeln.

12,5 Millionen Menschen sind - lt. paritätischem Wohlfahrtsverband - in Deutschland arm. Überdurchschnittlich stark ist die Armut seit 2006 bei Rentnern angestiegen. Die Zahlen sind überall zu googlen.

Ich habe versucht, die neueste Anzahl der Tafeln in Deutschland herauszubekommen. Die genaue Zählung hört 2003 auf. Ich habe auch beim Verband der Tafeln nur gelesen, dass es über 900 wären mit 3.000 Läden.

Und die G7 schwadroniert darüber, die Armut zu beseitigen ...

Sie kann gern in ihren eigenen Ländern damit beginnen und allen anderen zeigen, dass das möglich ist.

Vor 2 Jahren schrieb "Die Zeit" sinngemäß, dass die Tafeln für den sozialen Abstieg stehen und den dazugehörigen Ausschluss aus der Mehrheitsgesellschaft. 

Und da gibt es doch die vielen Ehrenamtlichen, die meinen, eine gute Tat zu tun, wenn sie das Almosensystem mit ihrer Arbeit unterstützen.

Mir fällt dabei immer der Pfadfinder ein, der eine gute Tat vollbringen will und die Großmutter über die Straße führt, über die sie gar nicht gehen will, aber das nur nebenbei.

Als Teil dieses Almosensystems muss der Ehrenamtliche nicht mehr über die Ursachen und die Verursacher der Armut in Deutschland und der Welt (es reicht schon in Deutschland) nachdenken. Es scheint ja auch keine App dafür zu geben. Es ist doch in den Augen vieler etwas wahrhaft Schönes, den Wohlstandsmüll an andere abzugeben. 12,5 Millionen Menschen sind also die Resteverwerter hier bei uns. Unternehmen entsorgen oft zu den Tafeln, weil es sie billiger kommt, als die Lebensmittel zu vernichten und sie außerdem noch ihr Image pflegen können: Wir sind so sozial. Sie sind es nicht, aber viele bekommen feuchte Augen. Der Gipfel für mich persönlich sind die Erfolgszahlen der Tiertafeln. Wirklich, ich gönne es Hundi und Mizi, schließlich müssen die auch etwas in den Magen bekommen. Die Frage sei doch erlaubt: Warum? 

Warum gibt es in einem eigentlich so reichen Land Tafeln für Mensch und Tier und für Medikamente?

Warum gibt es auf der anderen Seite Menschen, die von unserer Hände Arbeit leben, hochnäsig auf diese Hände herabblicken und voller Empörung sind, wenn sie mal ein paar Cent rüberreichen müssen, mal in die Portokasse greifen sollen und dem, der ihren Reichtum erarbeitet hat, teilhaben zu lassen. Die Streikergebnisse sprechen Bände davon. Sie sind nicht alluviel wert, wenn man mal die Erfolgsstorys, die die Medien daraus machen weg lässt und nachrechnet.

In Deutschland ist meist nicht mal die einfache Reproduktion der Arbeitskraft gewährleistet. Und nochmals: 12,5 Millionen in Armut. Dabei sind noch nicht mal die, die verschämt sind oder die knapp über den Median liegen und auch nicht mehr die einfache Reproduktion ihrer Arbeitskraft gewährleisten können, dabei.

Und es betrifft nicht nur die G7, ganz Europa verarmt immer mehr - gewollt. Es betrifft nicht nur Südeuropa auch die Länder Osteuropas, die zwischenzeitlich in der EU sind, weben auch am Hungertuch und gehen der Propagandablase Merkels auf den Leim, die meint, dass es Deutschland - sie meint die Bevölkerung - gut gehe, dass es eine so niedrige Arbeitslosigkeit wie noch nie gäbe. Sie vergaß dabei, dass die Arbeitslosenstatistik x-mal geändert wurde, dass keine Zahl mehr mit früher vergleichbar ist, dass man mit 1 Wochenstunde Arbeit, schon nicht mehr arbeitslos ist und sie vergaß zu erwähnen, was für Arbeitsplätze entstanden sind. Eigentlich bleibt dann von dem "uns geht es gut" kaum noch etwas übrig. Merkel vergaß es zu erwähnen und ein großer Teil der Bevölkerung glaubt ihr immer noch.

Wir sind nicht nur Exportmeister bei diversen - was eigentlich? Wird da von Finanzprodukten gesprochen, von wirklichen Gütern, von Dienstleistungen oder wie? Ich weiß es nicht. Und wird dabei berücksichtigt, dass bei einem Export von wirklichen Gütern, diese Güter wirklich aus Deutschland sind? Importieren wir nicht irgendwelche Produkte aus China, die wir dann in andere Länder exportieren? Zumindest auf dem Papier. Sie erst nach Deutschland zu kutschieren und dann z.B. nach Indien zu schicken, wäre vielleicht zu umständlich. Pappen die Chinesen nicht vielleicht ein "Made in Germany" gleich in China auf ihre Waren und wir übernehmen nur die Zahlen? Es ist nicht nur ein vielleicht. Man macht es so, ob  nur vereinzelt oder im großen Stil, weiß ich nicht. Zu vermuten ist - im großen Stil.

Wir wollen nun auch die Tafeln exportieren. Diese faulen griechischen Säcke sollen nun mit dem deutschen Erfolgsmodell "Die Tafeln" beglückt werden. So! muss Erfolg! - wenn ich mal einen Werbeslogan benutzen darf.

Erst setzt Merkel und Konsorten alles dran, dass in Griechenland die Mehrwertsteuer erhöht wird und die Renten und Löhne massiv gekürzt werden. Tausende von Menschen wurden zur Arbeitslosigkeit verdonnert. Und ja, Griechenland musste Listen vorlegen, wo drinnen stand, wieviel Arbeitsplätze bis wann vernichtet werden. Das Gesundheitswesen ist dort zusammengebrochen, der Binnenmarkt auch und ich kann mir denken, dass es den kleinen Mittelstand nicht mehr gibt. Dann klatschen eine Merkel und ein böser kleiner Mann im Rollstuhl freudig in die Hände und liefern das deutsche Erfolgsmodell "Die Tafeln" an Griechenland aus: Wir wollen euch doch helfen. 

Zynischer kann wohl kaum etwas sein.

Kosten des G7-Gipfels? Offiziell ca. 130 Millionen Euro!

Obama küsst Merkel und alle sind Freunde und freuen sich über ihre G7-Wohlstandsregion, in der immer mehr Amerikaner von Lebensmittelmarken leben müssen, aber auf der anderen Seite jemand über 16 Millionen Dollar hat, um nur ein Bild zu ersteigern. So wertvoll ist kein Bild!

Obama durfte bayerische Gemütlichkeit kosten und sich über sein alkoholfreies Bier freuen und ein paar Kilometer weiter, weiß eine Mutter nicht, wie sie ihr Kind einigermaßen gut den Monat über ernähren soll. 
 
Wie gut es uns doch geht!

Da haben die G-Siebener geprasst und ein paar Kilometer weiter hofft ein Mann, dass sein Kühlschrank im Sommer doch nicht kaputt gehen werde, weil er sich keinen neuen leisten kann.

Wie gut es uns doch geht!

Dafür werfen Unternehmen neue, noch Original verpackte Bildschirme in den Schredder, weil sie nicht die allerneuesten sind - und die G7 schwadronieren über Armutsbekämpfung. 

Wie gut es uns doch geht! 

Wie kaputt muss eine Gesellschaft sein, in der man dies alles machen kann? Und wie verdammt müssen sich die Menschen in so einer kaputten Gesellschaft fühlen? Sie reden sich ihre Situation schön oder verzweifeln daran.

"Der Krug geht solange zu Wasser, bis er bricht." Irgendwann ist es soweit. Der Krug hat schon arg viele Risse.