Donnerstag, 14. Januar 2016

Sprechblase Reisewarnung

»Reisenden in Istanbul und anderen Großstädten der Türkei wird dringend geraten, Menschenansammlungen auch auf öffentlichen Plätzen und vor touristischen Attraktionen zu meiden und sich über die aktuellen Reisehinweise und die Medien zur Lageentwicklung informiert zu halten.«
Man erkläre mir bitte, warum ich als Urlauber wohin auch immer reisen sollte, wenn ich die touristischen Sehenswürdigkeiten mir nicht mehr anschauen soll. Jeder weiß, wo er auch immer hinreist, dass an den Sehenswürdigkeiten die Busse mit Menschen ausgekippt werden. Am Ort der Sehenwürdigkeit xyz findet man jeden, aber auch jeden Reisenden wieder, den man irgendwann unterwegs auch schon traf. Und nur dort sind sie zu Scharen anzutreffen. 

Wer wollte nach Istanbul reisen ohne die Blaue Moschee oder die Hagia Sophia zu sehen?

Wer will nach Köln reisen, ohne dem Dom einen Besuch abstatten?

Wer reist nach Ägypten ohne Ägyptisches Museum oder die Pyramiden zu sehen?

Es ist außerdem völlig irrelevant, wielange ich mich an an dieser oder jener Sehenswürdigkeit aufhalte. Wenn ich mich in der Sekunde, wo ein Anschlag stattfindet, gerade dort bin, dann habe ich halt Pecht gehabt. Es trifft mich genauso wie dem, der bereits eine halbe Stunde dort steht und den Ausführungen seines Reiseführers lauscht.

Wie kann man solche Reisewarnungen herausgeben. Letztendlich muss man sagen, reise nicht mehr dorthin oder tue es auf eigene Gefahr. Punkt. Alles andere ist doofes rumgelabere und die Bites nicht wert, die es in der Reisewarnung des Auswärtigen Amtes verschlingt.

PS: Nach Maizière wurde nicht mit Absicht eine deutsche Reisegruppe in die Luft gesprengt. Nunja, die Terroristen fanden wohl keine andere Gruppe, bei den sehr, sehr vielen Tourigruppen, die sich gerade auf diesem Platz befinden. (Ironie aus)

Mein Herz ist traurig, wenn ich sehe, wie ein Land so destabilisiert wird. Ich kenne Van, ich kenne Urfa, ich stand vor Dyabarkir (hinein durften wir damals nicht). Ohne Sinn und Verstand werden die Kurden, die dort leben angegriffen. Ich habe eine sogenannte Antiterrorgruppe der türkischen Armee gesehen, die gegen die PKK eingesetzt wird und die ihr Mittagessen genau dort einnahm, wo unsere kleine Reisegruppe war. Sie spielten mit ihren Gewehren, ließen sich mit Gewehr im Anschlag fotografieren. Was hat Erdogan aus diesem Land gemacht ... Ich habe die grenzenlose Armut in den Grenzregionen der Türkei zum Iran, den Irak und zu Syrien gesehen. Wir haben uns mit einen kurdischen Lehrer unterhalten, der mit seiner Schulklasse aus der Nähe von Van kam. Seine Kinder waren i.d.R. noch nie in Van direkt, nur eben zu diesem Klassenausflug, weil die Kinder zu arm waren, um in die nächste Stadt fahren zu können. Das ist der Zündstoff, der Terror und Gegenterror hervorbringt. 


Kommentare:

  1. Guten Abend,
    bringt nicht hervor - hat schon hervorgebracht.
    Und die Lunte ist am Brennen.
    Natürlich wird relativiert - hat nichts mit dem Syrieneinsatz zu tun, ist ja für den Frieden.
    Nicht nur die Türkei hat Kurdistan zerrissen. Iran und Irak haben auch ein Stück. abbekommen. Und denken Sie mal an Armenien - der Genozid.
    Auch das wird nicht vergessen.
    Barnimer

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  2. @Barnimer: Stimmt hat schon hervorgebracht! Habe es nicht exakt ausgedrückt. Wir durften damals Dyabarkir nicht besuchen, weil gerade Wahlkampf war und die Kurdengebiete deshalb nicht sicher waren. Die Kurden gehen eigentlich nicht gegen Touris vor. Ich sehe den Zusammenhang auch eher mit dem Syrienkrieg, obwohl D eigentlich nichts macht. Das Flugzeugchen sichert die türkische Grenze. Das ist insofern lachhaft, da ja die IS wohl keine Jagdbomber hat. Aber ich denke auch, dass das alles egal ist. Auch wenn wir NICHT in den Syrienkrieg eingetreten wären, hätte man sicherlich doch irgendwann eine deutsche Reisegruppe irgendwo in die Luft gesprengt. Es genügt ja heutzutage schon aus dem Westen zu stammen, um den Unmut der Terroristen hervorzurufen. Und sie würden es m.E. auch machen, wenn niemand in irgendeinen Krieg verwickelt wäre. Sie wollen keine Westler in "ihren" Ländern haben. Das haben sie oft genug verlautbaren lassen. Damals noch Al-Qaida und schon vor Al-Qaida, jetzt eben IS oder wer auch immer in deren Namen oder im eigenem terrorisiert. Überall auf der Welt gibt es muslimische Terroranschläge - jetzt wieder in Indonesien. Aber das nur nebenbei. Es scheint eben zu schwer zu sein, sich zurückzunehmen. Die einen spielen dauerbeleidigte Leberwurst (pardon, wird ja aus Schwein gemacht) und leben im geistigen Mittelalter und die anderen meinen, ihnen gehöre die Welt. Alles wäre sehr viel einfacher, wenn jeder mal ein bisschen Rücksicht auf den anderen nähme und ihnen Luft zum atmen gäbe. Das wird aber wohl nie geschehen.

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  3. Nein - dazu ist der Mensch zu viel Mensch. Im Uebrigen hat man zu schnell die syrische Identität festgestellt. Und von wegen is oder isil! Ist denn nicht Erdowahn der beste Kunde fuer is - Öl? Seine Kunden aergert man nicht so massiv. Das stinkt mir gewaltig nach nine eleven.
    Barnimer

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  4. @barnimer: Also bei Terror geht es jetzt nicht um irgendwelche Nationalitäten, die Terror verüben. Es ist mir jetzt auch egal, ob dies ein saudiarabischer Syrer war oder wer auch immer. Aber D engagiert sich stärker - auch wenn es nur ein minimaler Beitrag ist - im Syrienkrieg. Es muss gar nicht Daesh sein. Jeder Spinner (in meinem Auge sind es welche) begreift sich heutzutage als Teil des "Kampfes" von IS. Einzelnen Terroristen ist es egal, ob die IS als solche (wer von denen?) Geschäfte mit der Türkei macht. Geschäfte machen, Krieg und Terror sind zweierlei Dinge. Beidem ist der Profit eigen, was sie wieder zu einem Ding macht. Mit dem Terror in der Türkei wir im tollen Nebeneffekt gleich die PKK als unbequeme Organisation, die sich dem IS UND der Türkei wiedersetzt, getroffen.Dazu kommen noch ein paar Russen anscheinend, was auch sehr gelegen kommt. Nein mir kommt das nicht so vor wie 9/11 sondern wie "Casablanca".

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