Sonntag, 7. Februar 2016

In welchem Land leben wir eigentlich?

Ich mag Pegida nicht, obwohl sie leider das einzige Protestforum neben der AfD gegen unsere selbstmörderische Regierung ist. Das finde ich traurig genug.

Warum wird eigentlich nach Verbot dieser Bewegung/Partei gerufen?

Ich erinnere mich noch an die DDR. Jede noch so kleine Bewegung, die nicht der vorherrschenden Ideologie entsprach, wurde verboten. Es traf auch solche Vereinigungen, wie einen unabhängigen Frauenverband. Ihm wurde nachgesagt, dass er sich mit Wicca befassen würden. Mittelalter. Damals wurde unabhängigen Frauen auch die Hexerei unterstellt. Als ob Wicca der DDR geschadet hätte?

Vielleicht bin ich gerade deshalb so allergisch gegen Vorstellungen, alles mit Verboten regeln zu wollen. Dagegen bin ich 1989 auf die Straße gegangen.

Nun lebe ich in einem Staat, der von sich meint, ein Rechtsstaat und eine Demokratie zu sein. 

Wie verträgt es sich mit einer Demokratie zu Verboten greifen zu wollen, obwohl es um Argumente geht. Haben die Verbotsschreier keine Argumente? Wieso ist jeder Rassist und braun, wenn er eine andere Ansicht als Frau Merkel hat? Warum werden nur Bauchgefühle gestattet und keine rationalen Argumente?

Mich hat besonders berührt, dass junge Menschen, die noch nichts geleistet haben in ihrem Leben, die von der Gesellschaft leben, weil diese sie ausbildet, sie studieren lässt auf Kosten der Steuerzahler - was nicht überall in der Welt so ist - und dass diese Menschen so radikalisiert sind und andere Meinungen nicht gelten lassen. Haben diese Menschen ein Demokratiedefizit. In denke "ja".

Wieso kommt eine junge Frau dazu auf einem Plakat von "eurem doofen Abendland" zu sprechen? Wieso ist es nicht ihr Abendland und wieso ist es doof? Lebt sie etwa nicht in Europa? Ist sie geschichtsvergessen? Hat Facebook oder Instagram nichts über unsere Geschichte in Europa zu bieten? Eher "nein". Sicherlich unser doofes Abendland ist kein Katzenvideo oder kein irgendwas Selfie, keine irgendwie Like-Aktion für irgendwelchen Humbug. Europa ist Abendland, Europa hat eine großartige Geschichte, Kultur, Wissenschaft und nicht zuletzt viele Menschen, die dieses Europa über Generationen aufgebaut haben. Sicherlich ist Deutschland allein nicht DAS Abendland, sondern unsere ganze Kultur in Europa gehört dazu. Man mag nun Christ sein oder nicht: Unser europäisches Abendland wurde vom Christentum geprägt. Es machte uns zu dem, was wir sind, auch mich als Atheisten. 

Diese junge Dame sollte froh sein, dass die Vergangenheit unseres Kontinentes christlich geprägt worden ist. Sie profitiert davon.

Sie darf unkompliziert auf der Straße herummarschieren, so wie es ihr beliebt. Sie darf studieren, eine Lehre beginnen, arbeiten ohne dass sie jemanden um Erlaubnis fragen muss. Sie ist sich selbst verantwortlich und keinem Mann untertan. Sie darf auf der Straße knutschen, mit offenem Haar herumlaufen und Minikleider anhaben mit tiefem Ausschnitt. Sie darf Händchen haltend mit ihrem Freund spazieren gehen - hier in unserem doofen Abendland. Sie darf, wenn sie krank ist, auch Psychopharmaka nehmen, was in einigen Ländern nahöstlich verboten ist. Sie darf als Frau medizinisch behandelt werden, was auch nicht überall auf der Welt selbstverständlich für Frauen ist. Sie darf es, weil sie hier in unserem doofen Abendland lebt. Ein Kontinent, der sich entwickelt hat, von der Hexenverfolgung des dunklen Zeitalters über die Renaissance, Aufklärung über die Französische Revolution und dem Bürgerlichen Gesetzbuch. Sie ist nicht damit aufgewachsen, minderwertig zu sein und vieles nicht machen zu dürfen, nur weil sie eine Frau ist. Sie darf hier ihre Sexualität ausleben ohne dafür vielleicht gesteinigt zu werden.

Es ist unser Abendland. Es ist nicht perfekt, es entwickelt sich in vielen Nuancen wieder zurück in ein frühkapitalistisches Zeitalter. Das kann es, weil junge Menschen geschichtsvergessen sind und lieber sich mit irgendwelchen Zeugs verblenden lassen, weil junge Frauen eher an Schminktipps auf Youtube interessiert sind und sich lieber Katzenvideos anschauen, als sich mit dem wirklichen Leben befassen zu wollen. 

Oder habe ich da etwas verpasst? Habe ich junge Menschen auf den Straßen gesehen, als es um unbezahlte Praktikas ging, um gesetzlich verordnete Bezahlung unterhalb des Mindeslohnes, als es um ihre Zukunft ging? Wo demonstrieren die jungen Menschen tagtäglich dagegen, dass ihre Zukunft auf dem Spiel steht? Dass sich ihre Schulbildung immer mehr verschlechtert? Dass sich die Schere zwischen arm und reich immer mehr verbreitert? Es ist ihr Leben, was sich verschlechtert. Ich sehe sie eher nicht, mal sporadisch vielleicht, aber das scheint zu aufwändig zu sein. Vielleicht mal ein Flashmob, aber ja. Die Herrschenden lachen sich einen Frack über diesen Kinderkram. Okay, wenn die jungen Menschen meinen, dass ihr Leben so gerade gut ist, dann ist es ihre Sache, in Schönheit arm zu sein. Auch das darf jeder in unserem Abendland.

 




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